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Norwegen: vom Wandern & Auswandern

Die Reise von (Aus-)Wanderer Simon Michalowicz

Draußen sein

Wandern und Friluftsliv in Norwegen

Das Draußensein hat in Norwegen einen ganz besonderen Stellenwert. Wenn man hier unterwegs ist, wird man das schnell merken. Leute jeden Alters in Outdoorklamotten trifft man praktisch überall, die Anzahl an Dachboxen für Ski auf den Autos ist vermutlich nirgendwo so hoch wie hier. Auf Tour zu gehen, ob nun Tagestour, Gipfeltour im Gebirge oder rund um die eigene Hütte außerhalb der Stadt, ist ganz normal.

In Oslo kann man ganz bequem mit der S-Bahn zum Langlaufen fahren und das norwegische Friluftsliv, also bei jedem Wetter zu jeder Jahreszeit Outdoor unterwegs zu sein, ist allgegenwärtig. Man findet Wandertipps auf den beliebtesten Schokoriegeln, im Fernsehen laufen Shows rund ums Friluftsliv und die größten HeldInnen der Nation sind durch die Bank an der frischen Luft unterwegs.

Dementsprechend fällt es also gar nicht schwer, die spektakuläre Natur in Norwegen zu Fuß zu erkunden, quasi überall findet man gut ausgeschilderte Touren, die zum Wandern einladen. Möchte man sich einen schnellen Überblick verschaffen, so empfiehlt sich die Internetseite www.ut.no oder die entsprechende App vom norwegischen Wanderverband DNT (Den Norske Turistforeningen). Hier findet man Inspiration und Informationen zu allen möglichen Wanderungen jeder Schwierigkeitsstufe und jedes Anspruchs, für den Sommer oder auch das Winterhalbjahr mit Ski. Und das alles ist kostenlos nutzbar, sodass man direkt loslegen und sich ganz bequem die passende Tour heraussuchen kann. Die Natur Norwegens zu Fuß wandernd zu erkunden, ist mit Sicherheit der beste Weg, um die hier so tief verwurzelte Friluftsliv-Kultur selbst zu erleben und zu entdecken!

Ein langer Wandertag wird im besten Fall mit schönen Ausblicken, gemütlichen Unterkünften und einer stärkenden Mahlzeiten belohnt.

Pack- & Checkliste

Was muss ich einpacken und beachten?

Ein großes Thema in Norwegen ist das Wetter. Das mag etwas merkwürdig klingen, aber gerade in den Gebirgsregionen ist es ganz normal, dass man selbst im Juni noch auf große Altschneefelder trifft und es auch im Juli mal zu einem kurzen Wintereinbruch kommen kann. Der abgedroschene Spruch der vier Jahreszeiten in einer Stunde, vom herrlichen Sonnenschein bis hin zum Schneeschauer, ist hier oft Realität. Man sollte sich also darauf vorbereiten und auch bei kürzeren Wanderungen und Touren entsprechende Kleidung einpacken. Gerade Regenjacke und Regenhose sollten nie fehlen, man weiß ja nie, wann sich der nächste Regenschauer nähert.

Bei den Wanderwegen sollte man sich darauf einstellen, dass die Wege anspruchsvoller als gewohnt sind - vor allem bei schlechtem Wetter. Daher sollte man gerade bei der Wahl des Schuhwerks Umsicht walten lassen und lieber zu stabilen Schuhen oder Wanderstiefeln greifen, um sich stets mit gutem Halt auf allen Pfaden bewegen zu können.

Um sicher in der norwegischen Natur unterwegs zu sein, empfiehlt es sich, die Fjellvettreglene zu beachten, ein Leitfaden, der zur eigenen Sicherheit beiträgt und auf den langen Erfahrungen der NorwegerInnen im Umgang mit ihrer Natur beruht.

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Simons Tipps zum Wandern in Norwegen

  • Wanderungen mit schönen Aussichten gibt es fast überall. Selbst in großen Städten wie Oslo oder Bergen gibt es lohnenswerte Touren, die man oft auch bequem per Bus oder Tram erreichen kann.
  • Gutes Schuhwerk und zuverlässige Regenbekleidung sind obligatorisch, das kleine (Wetter-) Abenteuer wartet in Norwegen an jeder Ecke.
  • Für erste Touren sollte man eher defensiver planen, also lieber moderater als ambitionierter starten. Wanderwege in Norwegen können bei den Punkten Steilheit, Ausgesetztheit und anspruchsvoller Untergrund vor allem zu Anfang sehr ungewohnt sein.
  • Mit Hilfe der Handy-App ut.no kann man auch ohne Telefon-Empfang zuverlässig navigieren und sich orientieren, wenn man die Offline-Funktion nutzt und die Karten entsprechend herunterlädt - alles kostenfrei.
  • Der norwegische Wanderverband DNT betreut nicht nur unzählige Wanderwege überall im Land, sondern unterhält auch weit mehr als 550 Wanderhütten, die jedermann gegen einen relativ kleinen Betrag zur Übernachtung auf Tour nutzen kann.

Weite & Ruhe

Norwegen in all seiner natürlichen Pracht genießen - das geht beim Wandern und Zelten besonders gut

Vielseitig unterwegs

Die schönsten Wanderregionen

Die Hardangervidda - Der Klassiker mit allen Optionen

Der größten Hochebene Nordeuropas kann man sich in Norwegen kaum entziehen. Macht man sich auf den Weg in Richtung der Fjorde oder auch der zweitgrößten Stadt Bergen, kommt man um die Hardangervidda kaum herum. Besteigt man beispielsweise die berühmte Bahn zwischen Oslo und Bergen, dann führt die Strecke geradewegs sommers wie winters genau über diese Hochebene. Und wäre das alles noch nicht spektakulär genug, findet man hier mit Finse den höchstgelegen Bahnhof Norwegens, der am Fuße des Hardangerjøkulen Gletschers liegt. Hier proben bis heute PolarabenteurerInnen aus aller Welt für ihre Expeditionen, dem rauen Winterwetter sei Dank kann man sich hier mitunter wie an den arktischen Polen oder in Grönland fühlen. 

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Aber auch zum Sommerhalbjahr gibt es hier die unterschiedlichsten Wanderungen, von spektakulären Tagestouren bis hin zu längeren Trekkingtouren. Der westliche Teil der Hardangervidda ist eher rauer und gebirgiger, während der östliche Teil durch weite Ebenen besticht.

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Jotunheimen - Im Reich der Superlative

Die höchsten Berge des Landes, einige der spektakulärsten Wanderungen und dazu von allen Seiten überaus gut zu erreichen - das ist Jotunheimen, das Reich der Riesen, wenn man es aus dem Norwegischen übersetzt. Praktisch auf halbem Wege zwischen Bergen und Oslo gelegen, findet man hier alles, was das Wanderherz höherschlagen lässt. Mit dem Galdhøpiggen kann man den höchsten Berg des Landes erklimmen und vom Gipfel einen spektakulären Blick über die Umgebung genießen. Bekannt ist auch die Wanderung über den Besseggen-Grat, einem mitunter schmalen Felsband, das sich zwischen zwei Bergseen empor schlängelt und das man sich schöner und spektakulärer kaum vorstellen kann. Dazu findet man mit dem großen Gjende und Bygdin Bergseen, die man jeweils mit kleinen Fähren befahren und so ganz bequem einige der Highlights vom Boot aus bestaunen kann.

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Langsua - Die unscheinbare Perle

Gleich in der Nachbarschaft des Jotunheimen Nationalparks befindet sich Langsua, ebenfalls ein Nationalpark, der zu Unrecht etwas weniger Aufmerksamkeit bekommt. Hier besticht die Landschaft nicht durch markante Berge, sondern durch offene Weite und liebliche Aussichten, perfekt um entspannt das norwegische Fjell zu erkunden. Auch mit der Familie lässt es sich hier sehr gut wandern, die Wege sind angenehm und die Abstände zwischen den Unterkünften moderat. Optimal, um wandernd eine gute Zeit zu haben.

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Von A nach B

Anreise & Transport vor Ort

Die wohl entspannteste Art, nach Norwegen zu gelangen, ist per Fähre. Egal ob ab Kiel oder Hirtshals in Dänemark, die Überfahrt auf dem Seeweg ist ideal. Nähert man sich Norwegen per Fähre, ist schon die Ankunft ein Erlebnis für sich. Sei es die spektakuläre Fahrt durch den Oslofjord oder die Schärenküste bei Larvik oder Kristiansand, das Land schlägt einen sofort in seinen Bann.

Vor Ort hat man dann die Wahl, das Land per eigenem Fahrzeug oder per Bus und Bahn zu erkunden. Mit dem Auto oder Van fällt einem gleich auf, wie entspannt es hier gerade außerhalb der größeren Orte auf den Straßen zugeht. Die Reisegeschwindigkeit ist deutlich langsamer als im mitunter hektischen Deutschland, die Aussichten an beinahe jeder Ecke lassen einen oft staunen. Reist man das erste Mal durch Norwegen, muss man sich oft kneifen, wie schön hier die Landschaft ist.

Fällt die Wahl auf Bus und Bahn bei der Reise durch das weitläufige Land, dann kann man beispielsweise direkt am Color Line Fährterminal in Oslo den Bus besteigen. Schon wenige Stunden später ist man dann schon in den populären Nationalparks wie Jotunheimen oder per Bahn vom Hauptbahnhof aus mit der Bergensbahn in der Hardangervidda. Und wenn man auf diese Art reist, kann man ganz entspannt aus dem Fenster schauen, sich zurücklehnen und die vorbeiziehende Landschaft genießen. Vielleicht entdeckt man ja in den lichten Birkenwäldern einen Elch oder erspäht in den Fjellgebieten in der Ferne einige Rentiere, zahlreiche Wasserfälle gibt es obendrein zu bestaunen.

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Norwegen forever (?)

Vom Wandern zum Auswandern

Die Leidenschaft und Begeisterung für Land und Leute wuchs bei Simon von Tour zu Tour, der Gedanke hier dauerhaft sesshaft zu werden, manifestierte sich mehr und mehr. Bei jeder Rückreise wurde die Wehmut größer - wo möchte Simon am liebsten wohnen? Da wo er aktuell seine Adresse hat, oder lieber da, wo er sich einfach so zu Hause fühlt, wie kaum irgendwo sonst: in Norwegen? Klar war aber immer, Auswandern um jeden Preis wird es für Simon nicht geben.

(Neu-)Start in Norwegen

Und plötzlich ging alles ganz schnell. Da war sie die Chance, auf die Simon mit seiner Freundin immer gewartet hatte. Kurz zuvor hatte sich die Möglichkeit zur Bewerbung auf einen passenden Job ergeben, die Rahmenbedingungen stimmten, und nach einigen Gesprächen lag der fertige Arbeitsvertrag zur Unterschrift auf dem Tisch. Mit Fagernes in Valdres in einer Gegend, die unglaublich viele Optionen für Friluftsliv-LiebhaberInnen bietet.

Wohnungssuche, Umzug, neuer Job - spannende Zeiten brechen an, aber mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag in der Tasche auch mit einem hervorragenden Grundstein für die Dinge, die da kommen. Wenn man sich dann erst einmal für die Auswanderung entschieden hat, sind die anstehenden Formalitäten dann zwar unter Umständen etwas zäh, aber auch gut machbar.

Ziel erreicht: Simon und Freundin Anni haben es bis zum Nordkapp geschafft!

Simons Tipps für den Start in Norwegen

  • Für die Suche nach Job und Wohnung empfiehlt sich das norwegische Kleinanzeigen-Portal finn.no - vom Katzenbaum bis hin zum Einfamilienhaus findet man hier quasi alles.
  • Auf Facebook findet man zahlreiche norwegische Gruppen rund um alle möglichen Themen, sodass man sich hier auch gut auf die Suche nach Jobs und Wohnungen in den gewünschten Gegenden machen kann.
  • Ohne Personennummer und BankID hat man in Norwegen so gut wie keinen Zugang zu Ämtern, Konten oder Handyverträgen - also rechtzeitig vor der Auswanderung die Modalitäten in Erfahrung bringen und auch schon von Deutschland aus Termine z.B. beim Skatteetaten machen - hier erhält man seine Steuernummer und die Personennummer, um dann BankID, Konto usw. zu beantragen.
  • Für einen längeren Aufenthalt muss man sich bei der Polizei anmelden, die Termine dazu werden online vergeben. Dies ist nicht bei jeder Polizeistation möglich, unter Umständen muss man längere Anfahrten in Kauf nehmen.
  • Das eigene Auto mit nach Norwegen zu importieren, geht schnell ins Geld, da man auf den aktuellen Wert des Autos Mehrwertsteuer zahlen muss. Zusätzlich gibt es Umwelt- und Importabgaben, die zu entrichten sind. Also entweder greift man tiefer in die Tasche oder rechnet einmal durch, ob sich ein Import lohnt oder man in Norwegen ein Fahrzeug kauft.
Über den Autor

Simon Michalowicz

Norwegen & das Friluftsliv sind Simons große Leidenschaft. Zweimal hat der gebürtige Westfale das Land bereits wandernd von der Südspitze bis zum Nordkap zu Fuß durchquert und darüber sein erfolgreiches Buch „Norwegen der Länge nach“ geschrieben. In seinen Vorträgen nimmt er die ZuhörerInnen mit auf seine Touren und berichtet als "Simon på tur" in Magazinen, auf Instagram & Facebook und in seinem Blog über seine Abenteuer im Norden. Mehr als ein Jahr hat er zusammengerechnet schon im norwegischen Fjell verbracht, im Sommer wie im Winter, und so das Fernwandern zu jeder Jahreszeit in Norwegen schätzen und lieben gelernt. Insbesondere ausgedehnte Trekkingtouren sind dabei sein Steckenpferd. Simon lebt und arbeitet in Fagernes, mitten im Herzen von Valdres, mit einigen der Highlights der norwegischen Bergwelt direkt vor der Haustür.